Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen

 

 

Wie die Pest nach Mauerkirchen kam

 

 

von Danijela Kostic

Danijela Kostic  Wie die Pest nach Mauerkirchen kam  in  Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen
Zeichnung: Danijela Kostic

 

In der Mitte des Marktes Mauerkirchen stand einst ein  schöner Brunnen. Eines Tages saß eine Frau neben dem Brunnen. Es war ein  heißer Sommertag und die Frau war von der Hitze sehr erschöpft. Sie wollte  sich ein wenig ausrasten. Plötzlich kam ein unbekannter Mann daher. Er hatte einen schwarzen Umhang an und einen großen dunklen Hut mit einer  langen Feder. Der Mann sagte mit dumpfer Stimme: "Gib mir einen Schluck Wasser!" Erstaunt reichte die Frau ihm einen Schluck Wasser. Sie wunderte sich über den unhöflichen Fremden, den sie noch nie im Ort gesehen hatte. Plötzlich begann er wieder zu sprechen. "Ich werde dich verschonen", murmelte er. Kaum hatte er das gesagt, war er auch schon verschwunden. Eine alte  Frau kam und fragte neugierig: "Was wollte er von dir?" "Er wollte nur einen Schluck Wasser. Aber jetzt muss ich an die Arbeit gehen." Am nächsten  Tag war die alte Frau krank und ein paar Stunden später starb sie. Ein großes Unglück kam in den Ort. Fast alle Leute wurden krank. Nur die Frau,  die dem Fremden Wasser gegeben hatte, blieb von der schrecklichen Krankheit, es war die Pest, verschont. Sie erzählte ihrem Mann von dem unheimlichen Fremden, dem sie einen Schluck Wasser gegeben hatte. "Das war der Tod",  meinte er entsetzt. Fast alle Leute fielen der Krankheit zum Opfer, denn sie war sehr ansteckend. Die Menschen bekamen schwarze, übelriechende  Beulen und hatten schreckliche Schmerzen. Da man die Toten nicht mehr  in Einzelgräbern bestatten konnte, wurden sie in großen Gruben gemeinsam  beerdigt. Nur wenige Menschen überlebten. Es dauerte sehr lange, bis das Leben wieder seinen gewohnten Gang nahm.

Die Frau, die die Pest überlebt hatte, erzählte die  unheimliche Geschichte, die sich im Jahr 1348 zutrug, ihren Enkelkindern,  und deshalb wissen wir auch heute noch davon.

 

 

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