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Ein armer zerlumpter Jäger lebte in der Nähe von Mauerkirchen in einer alten Holzhütte. Er hatte vor vielen Jahren seine Kinder und seine Frau durch eine schwere Krankheit verloren. Eines Tages ging er wieder in den Wald, der auf einer Anhöhe oberhalb der Kirche liegt und deshalb Kirchenholz heißt. Er hoffte auf einen guten Fang. Plötzlich hörte er, als er schon eine Weile gegangen war, ein Rascheln im Gebüsch. Als er sich vorsichtig anschlich, sah er zu seinem großen Erstaunen einen wunderschönen weißen Hirschen. Er dachte sich: "Heute Abend gibt es ein Festmahl." Der Jäger zielte schon mit dem Gewehr auf den Hirschen. Da sprach eine seltsame Stimme: "Schieß mich nicht ab, ich werde es dir lohnen." Verwundert erkannte er, dass der Hirsch mit ihm gesprochen hatte. Er ließ entsetzt das Gewehr fallen und ging langsam auf das Tier zu. Er wusste ja, dass es Unglück bringt, einen weißen Hirschen zu erschießen und dass es Glück bringt, ihn zu streicheln. Als er ihn berührte, löste er sich zu seinem Erstaunen in Luft auf. Der Jäger wanderte wieder weiter auf der Suche nach Beute. Einige Zeit später begegnete er einer wunderschönen Frau am Marktplatz, in die er sich gleich verliebte. Nun sahen sie sich täglich und ihre Zuneigung wuchs immer mehr. Als sie sich wieder einmal am Marktplatz trafen, erzählte ihm die Frau, dass sie die Schlossherrin von Spitzenberg sein. Weil er ihr gefiel, wollte sie ihn heiraten. Der Jäger war sofort einverstanden und beide lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende. So wurde der arme Jäger Schlossherr von Spitzenberg. Der weiße Hirsch hatte ihm wirklich Glück gebracht.
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