Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen

 

 

Der geheimnisvolle Gang

 

 

von Karin Wührer

Karin Wührer  Der geheimnisvolle Gang  in Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen
Zeichnung: Karin Wührer

 

Es blitzte und donnerte, der Regen prasselte auf die Erde. Den Mantelkragen hoch aufgestellt ging ein Handwerker seines Weges. Er dachte: "Wann finde ich denn endlich eine Herberge?" Da entdeckte er in der Ferne eine Kirchturmspitze. "Das werde ich schon noch schaffen bis zum Ort!", sprach er zu sich selbst. Seine Kleider waren schon ganz durchnässt, als er den Ort, es war Mauerkirchen, erreicht hatte. Als er das Schloss entdeckte, überlegte der Handwerker: "Vielleicht kann ich hier übernachten, es muss ja nicht das schönste Zimmer mit einem Himmelbett sein!" Da bemerkte er eine offene Kellertür. Rasch schlüpfte er hindurch.  "Also übernachte ich im Schlosskeller", dachte er. Er wollte sich gerade ein Lager richten, da fiel sein Blick auf eine kleine Tür in der Mauer. Weil er neugierig wurde, öffnete er sie. Vor ihm war ein langer Gang. Ohne zu zögern betrat ihn der Handwerker und kam in einen kleinen höhlenähnlichen  Raum. Dort standen ein Tisch und zwei Stühle in einer nett aussehenden Küche. Auf einem der beiden Stühle saß ein kleines, graues Männlein. Sein langer, grauer Bart erreichte schon den Boden. Das Männlein fragte verärgert:  "Was fällt dir eigentlich ein? Wie kommst du hier herein?" Mit weit aufgerissenen Augen antwortete der Handwerker stotternd: "Entschuldigung! E...es tut  mir Lei...Leid, ich konnte d...doch nicht wi...wissen, dass hier ein Männlein wohnt!" Der Graue sprach zu ihm sehr verärgert: "Ich bin kein Männlein  sondern ein Zwergenkönig!" "Wo ist denn Eure Krone?", fragte der Handwerker neugierig. "Die hat man mir gestohlen und auch alle meine Kostbarkeiten  und Diamanten! Du könntest sie mir zurückholen! Wenn du es wagst, durch ein Labyrinth zu gehen, soll es nicht dein Schaden sein." Der König schaute  dem Handwerker flehend in die Augen. Der Handwerksbursch ließ sich schweren Herzens überreden. Das graue Männchen sagte: "Wenn du durch diese Falltüre unter dem Küchentisch kriechst, kommst du direkt dorthin." Der Handwerker bekam noch Schwert und Schild und kroch durch die enge Falltüre. So kam er in das Labyrinth. In der Mitte des Irrgartens angekommen, fand er eine Schatztruhe. Darauf saß ein feuerspeiender Drache, der ihn anfauchte.  Zuerst meinte der Handwerker: "Der Drache wird doch nicht gleich Feuer speien!" Kaum hatte er das gedacht, da spie der Drache doch, sodass das  Labyrinth zu brennen begann. Der Handwerker wollte noch fliehen. Aber  bei solcher Aufregung und so vielen Gängen fand er nicht aus dem Labyrinth heraus. Das Feuer kam schon immer näher. Da hörte er ein höhnischer Gelächter. Der Handwerksbursch musste in den Flammen verbrennen. Man erzählt sich,  dass es bis heute noch keiner gewagt hat, den Schatz zu holen, weil ihn  noch heute der Drache bewacht.

Außerdem wurde der Gang zugeschüttet, sodass auch niemand  mehr den Eingang finden kann.

 

 

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