Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen

 

 

Der weiße Wolf

 

 

von Amra Nesimovic

Amra Nesimovic  Der weiße Wolf  in Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen
Zeichnung: Amra Nesimovic

 

In einem Wald nahe bei Mauerkirchen lebte vor langer Zeit eine Frau. Sie verdiente sich ihren Lebensunterhalt mit dem Sammeln von Kräutern. Sie wohnte in einer bescheidenen Hütte mit ihren vier Kindern.  Ihr Mann war im Krieg gestorben. Die Frau war sehr arm und sie trug ein  oftmals geflicktes Kopftuch und einen schäbigen langen Rock mit einer  verwaschenen, gefleckten Schürze. An einem Morgen, der Nebel stieg in  die Höhe, ging die Frau wie so oft Kräuter sammeln. Aber im ganzen Wald fand sie nur zwei Kräuter. Auf einmal hörte sie etwas im Gebüsch rascheln. Sie fasste sich ein Herz und schaute nach. Zu ihrem Entsetzen sah sie  einen weißen Wolf. Die Frau ließ ihren Korb fallen und stieß einen lauten Schrei aus. Plötzlich fing der Wolf an zu reden. Die arme Frau fiel fast  in Ohnmacht. Als sie sich beruhigt hatte, sagte der Wolf: "Fürchte dich nicht vor mir!" Die Frau war wie gelähmt. "Hilf mir bitte aus dieser Teufelsfalle",  sagte der Wolf. Nun bemerkte sie, dass ein Bein des Wolfes in einer gefährlichen Falle steckte. Endlich traute sich die Frau zu dem Tier hin und befreite den Wolf. Er bedankte sich und fragte: "Hast du schon viele Kräuter gesammelt?"  "Nein, ich hab heute nur zwei Kräuter gefunden. Hier, ich schenke sie dir", sagte die Frau. "Sie helfen dir sicher, dass deine Wunde schneller heilt." Der Wolf bedankte sich und sprach: "Nimm zum Andenken an mich diese Steine, die hier liegen, mit. Du wirst es nicht bereuen. Die Frau nahm sie mit, legte sie in den Korb und ging heim. Der Korb jedoch wurde  bei jedem Schritt schwerer. Als sie zu Hause war, sah sie in den Korb  hinein. Da fand sie zu ihrem großen Erstaunen Goldmünzen statt der Steine.
Von nun an war sie nicht mehr arm. Alle Not hatte ein  Ende und sie musste nie mehr Kräuter sammeln gehen.Vom weißen Wolf jedoch hat man nichts mehr gehört. Es hat ihn kein Mensch mehr gesehen.

 

 

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