Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen

 

 

Der Marktbrand von 1865

 

 

von Thomas Schmid

Thomas Schmid  Der Marktbrand von 1865 in Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen
Zeichnung: Thomas Schmid

 

Man schrieb das Jahr 1865. Am Straßenrand saß ein armer  Mann mit einer Blechdose und zerrissenem Gewand. Wenn der Arme seine Dose herausholte und vor die Füße der vorbeigehenden Leute stellte, lachten sie ihn aus. Ein paar Tage später wurden sie noch schlimmer. Einige spuckten ihn sogar an und spotteten ihn aus. Er ging oft in die Kirche und betete: "Herr, kannst du mir nicht ein paar Münzen geben, dass ich mir Essen und  Trinken kaufen kann?" Aber es passierte nie etwas, und dann schrie er  einmal vor Wut: "Zum Teufel mit dir!" Und da stand plötzlich eine schwarz  gekleidete Gestalt vor ihm, die sagte: "Ich könnte fünf Jahre lang dein  Diener sein und du kannst mir anschaffen, was du willst, wenn du mir deine Seele versprichst." Da wusste der Bettler, mit wem er es zu tun hatte. Aber er sagte in seiner Verzweiflung ja. Er wünschte sich als Erstes ein Haus und dann viel Geld. Nun führte er ein Leben in Saus und Braus. Das  ging viereinhalb Jahre so und dem Mann ging es so gut, dass er nun die  anderen Leute auslachen konnte. Jetzt ging es dem Ende der fünf Jahre zu und der Mann musste an seine Seele denken. Da kam ihm die rettende Idee. Als letzten Auftrag schickte er seinen Diener in die Kirche und  überschüttete ihn dort mit Weihwasser. Als er so seine Seele gerettet  hatte, legte er sich in seinem Haus schlafen. Der Teufel verließ wütend die Kirche und brauste mit großem Getöse in die Hölle zurück. Mit grimmiger Miene befahl er seinen Hilfsteufeln: "Braut mir den schrecklichsten Feuerblitz zusammen, denn ich will mich an den Menschen rächen. Sie sollen ewig an mich denken und meine Macht fürchten." Bald darauf stürmte er mit seiner schrecklichen Waffe in den Ort zurück und schleuderte eine Flut von Blitzen gegen die Kirche, die sofort zu brennen begann. Feuerzungen sprangen von  der Kirche weg und zündeten alle Häuser in der Umgebung an. Ein Sturm  verbreitete die Feuersbrunst im ganzen Ort und die Menschen flüchteten schreiend aus ihren Häusern, um wenigstens ihr Leben zu retten. Ihr Hab  und Gut verbrannte jedoch vollständig. Noch heute wird von diesem fürchterlichen  Ereignis berichtet. Aber niemand kennt die wahre Ursache des schrecklichen  Marktbrandes.

 

 

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