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Im Jahre 1857 gab es am Staffelberg in Mauerkirchen ein Gasthaus, ein paar Häuser und eine Quelle. Ein Mann kam jeden Tag in das Gasthaus und erzählte immer, dass in der Quelle ein Wassergeist hausen würde. "Der Geist zeigt sich immer nur in der Nacht. Er taucht aus der Quelle auf und sucht nach einem Opfer. Mit seinen scharfen, riesigen Zähnen reißt er die Tiere in Stücke, die an seiner Quelle ihren Durst stillen wollen und erst, wenn sich das Wasser blutrot gefärbt hat, verschwindet er wieder", erzählte er. Die Leute aber glaubten es nicht und deshalb kam es öfters zu Streit oder sogar zu einer Rauferei. "Hör endlich auf mit deinen Lügen!", schrien sie. "Ich lüge nicht!", brüllte der Mann zurück und schlug auf die Gäste ein. Weil er jeden Tag kam, verscheuchte er die Kundschaft des Gasthausbesitzers. Der Wirt wurde von Tag zu Tag zorniger und eines Tages warf er ihn aus seinem Gasthaus und drohte: "Lass dich hier nicht mehr blicken, sonst werfe ich dich eigenhändig in die Quelle zu deinem Geist." Darüber wurde der Mann so böse, dass er sich um Mitternacht in der Nähe der Quelle versteckte und wartete, bis der Geist erschien. "Willst du mir helfen, die Leute zu töten, die nicht daran glauben, dass es dich gibt?", fragte er. "Bring sie zu mir, ich werde sie zerreißen." "Sie werden mir nicht folgen, aber ich habe eine Idee: Vergifte dein Wasser, dann kannst du alle auf einmal erwischen", schlug der Mann vor. Der Geist grinste böse und verschwand. Am Morgen füllte der Wirt an der Quelle einen Krug mit Wasser und verdünnte damit das Bier, das er an seine Gäste ausschenkte. Der Wirt war auch durstig und setzte sich zu Tisch und trank einen Schluck Bier. "Heute ist dein Bier aber irgendwie anders als sonst", sagten seine Gäste. Kurze Zeit später waren alle tot. Der Wassergeist aber suchte sich eine andere Quelle, da er die Rache der Mauerkirchner fürchtete. Dort, wo damals die Quelle sprudelte steht heute der Hochbehälter, aus dem unser Trinkwasser kommt. Aber keine Angst, es ist nicht vergiftet!
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