Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen

 

 

Die Sage vom Wassergeistauf dem Staffelberg

 

 

von Thomas Schmid

Thomas Schmid  Die Sage vom Wassergeist in Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen
Zeichnung: Thomas Schmid

 

Im Jahre 1857 gab es am Staffelberg in Mauerkirchen  ein Gasthaus, ein paar Häuser und eine Quelle. Ein Mann kam jeden Tag in das Gasthaus und erzählte immer, dass in der Quelle ein Wassergeist  hausen würde. "Der Geist zeigt sich immer nur in der Nacht. Er taucht  aus der Quelle auf und sucht nach einem Opfer. Mit seinen scharfen, riesigen Zähnen reißt er die Tiere in Stücke, die an seiner Quelle ihren Durst  stillen wollen und erst, wenn sich das Wasser blutrot gefärbt hat, verschwindet  er wieder", erzählte er. Die Leute aber glaubten es nicht und deshalb  kam es öfters zu Streit oder sogar zu einer Rauferei. "Hör endlich auf  mit deinen Lügen!", schrien sie. "Ich lüge nicht!", brüllte der Mann zurück und schlug auf die Gäste ein. Weil er jeden Tag kam, verscheuchte er die Kundschaft des Gasthausbesitzers. Der Wirt wurde von Tag zu Tag zorniger und eines Tages warf er ihn aus seinem Gasthaus und drohte: "Lass dich hier nicht mehr blicken, sonst werfe ich dich eigenhändig in die Quelle zu deinem Geist." Darüber wurde der Mann so böse, dass er sich um Mitternacht  in der Nähe der Quelle versteckte und wartete, bis der Geist erschien. "Willst du mir helfen, die Leute zu töten, die nicht daran glauben, dass  es dich gibt?", fragte er. "Bring sie zu mir, ich werde sie zerreißen."  "Sie werden mir nicht folgen, aber ich habe eine Idee: Vergifte dein Wasser,  dann kannst du alle auf einmal erwischen", schlug der Mann vor. Der Geist  grinste böse und verschwand. Am Morgen füllte der Wirt an der Quelle einen  Krug mit Wasser und verdünnte damit das Bier, das er an seine Gäste ausschenkte. Der Wirt war auch durstig und setzte sich zu Tisch und trank einen Schluck  Bier. "Heute ist dein Bier aber irgendwie anders als sonst", sagten seine Gäste. Kurze Zeit später waren alle tot. Der Wassergeist aber suchte sich eine andere Quelle, da er die Rache der Mauerkirchner fürchtete.
Dort, wo damals die Quelle sprudelte steht heute der Hochbehälter, aus dem unser Trinkwasser kommt. Aber keine Angst, es ist  nicht vergiftet!

 

 

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