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Einst stand vor langer Zeit eine Burg auf dem Buchberg. Als die Bewohner gestorben waren, zerfiel sie langsam. Hier hütete einmal ein Hüterbub seine Schafe auf einer saftigen Wiese vor dieser Burg. Weil ihm langweilig war, spazierte er bei den mächtigen Mauern herum. Auf einmal entdeckte er eine weiß gekleidete Frau auf der verlassenen Burg. Erstaunt ging er hin, um zu fragen, was sie hier mache. Sie sagte: "Hilfe! Hilfe! Der Teufel hat mir die Seele geraubt. Kannst du mir helfen? Du hast aber nicht mehr lange Zeit, denn die Sonne ist bald untergegangen. Wenn die Sonne untergegangen ist, kannst du mich nicht mehr erlösen. Nimm den geweihten Hollerzweig mit, er wird dir helfen!" Er willigte ein, weil er sowieso nichts Besseres zu tun hatte. Nun fragte er jedoch noch, was er tun sollte. "Nimm dem Satan meine Seele weg!" Vorsichtig ging er in die verlassene Burg, um den Eingang in die Hölle zu finden. Nach einiger Zeit hatte er ihn gefunden und langsam ging er hinein. Nach ungefähr einhundert Metern spürte er, dass die Luft immer stickiger wurde. Es stank auch nach Schwefel. Nun wusste er, das musste die Hölle sein. Er blickte sich neugierig um. Da sah er viele Seelen arbeiten und schuften. Plötzlich fiel ihm eine Seele auf, die der Frau sehr ähnelte. Er ging mit seinem Hollerzweig tiefer in die Hölle hinein und sprach laut: "Rühret euch nicht, ihr Kreaturen!" Da standen alle Seelen und auch der Teufel wie versteinert da und konnten sich nicht mehr bewegen. Sofort band er die Füße der Seele der Frau von den Ketten los und brachte sie nach draußen und die Frau war erlöst. Aber der Teufel hatte sich darüber so geärgert, dass er die ganze Burg dem Erdboden gleichmachte. Heute kann man von den Mauern nichts mehr sehen. Nichts mehr erinnert an den seltsamen Vorfall, der sich hier zugetragen hat.
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