Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen

 

 

Die geizige Schlossherrin

 

 

von Michael Elsenhuber

Michael Elsenhuber Die geizige Schlossherrin  Reiter Tod und Teufel - Neue Sagen aus dem alten Mauerkirchen
Zeichnung: Michael Elsenhuber

 

Es war vor langer, langer Zeit. Wo heute das schöne  Schloss Spitzenberg steht, wohnte früher eine geizige, schöne Frau. Das Schloss hatte die schönsten Gärten des ganzen Landes. Die Schlossherrin  lebte in Saus und Braus. Da kam einmal ein Bettler. Er hatte nur einen zerlumpten Mantel, Schuhe, die zerrissen waren und eine blaue, abgetragene  Mütze. Er ging zum Tor des Schlosses und klopfte. Es machte ihm die geizige Frau auf. Sie fragte stolz: "Was willst du von mir?" Der Bettler flehte:  "Geben Sie mir bitte ein Stück Brot und einen Schluck Wasser, ich verhungere!" Sie aber schrie ihn wütend an, ging wieder hinein und warf die Tür hinter  sich zu. Der Bettler ging traurig weg und dachte: "Teufel, warum nur ich?"  Da kam auf der anderen Straßenseite auch ein Bettler daher und sagte: "Ich weiß einen Rat, wie du von der Frau doch noch etwas bekommst!" Und der Bettler wusste sofort, mit wem er es zu tun hatte. Es war der Teufel,  der sich in die Gestalt eines Bettlers verwandelt hatte. Er ging zum Schloss  und klopfte an die Tür. Die Frau machte die Tür wieder auf. Der Teufel  bat wie der Bettler vorher um Wasser und Brot. Die Frau gab auch diesem  vermeintlichen Bettler nichts. Aber plötzlich trat der Teufel näher, stieß die Tür auf, packte die Frau und verschwand mit ihr in die Hölle. Der  richtige Bettler aber ging in das Schloss, da hing ein Zettel. Auf dem  stand, dass das Schloss jetzt ihm gehöre. Der Bettler war sehr dankbar dafür und von nun an war er ein sehr hilfsbereiter Mensch. Jeder, der  von ihm etwas wollte, bekam etwas.
Er lebte noch sehr lange glücklich und zufrieden in dem schönen Schloss.
Von den schönen Gärten des Schlosses Spitzenberg ist nichts mehr übrig

 

 

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